Willensfreiheit negieren – Verantwortung abgeben

Neulich habe ich einer Diskussion über den freien Willen beigewohnt und, wie es meistens dabei üblich ist, teilte sich die Gesellschaft auf in zwei Seiten. Einige haben den Bestand vom freien Willen befürwortet, andere aber haben das bestritten. Und beide Seiten haben sich wissenschaftlichen Entdeckungen bedient, um die eigene Behauptung zu untermauern.
Die erste Gruppe bezog sich auf das berühmte Experiment des US-amerikanischen Physiologen Benjamin Libet, der in den 1980er Jahren die Gehirnwellen seiner Probanden aufzeichnete und dabei entdeckte, dass Gehirnwellen das Bereitschaftspotenzial eine Bewegung auszuführen abzeichneten, bevor die Person eine solche Entscheidung getroffen hatte. Für ihn war das der Beweis, dass der freie Wille nur eine Illusion ist.
Die anderen aber sprachen von den neueren Versuchen von Wissenschaftlern der Charite Berlin und der technischen Universität Berlin. Sie haben ebenfalls Hirnwellen aufgezeichnet, wobei die Teilnehmer in dem Experiment gegen einen Computer antraten, und stellten dabei fest, dass wir doch freier in unserem Denken und Handeln sind als bislang angenommen wurde.

Ich wurde nach meiner Meinung gefragt und hier ist sie:
Den freien Willen in Frage zu stellen bzw. zu negieren bedeutet auch das Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung in Frage zu stellen, denn sonst, ohne freien Willen, hätte dieses Gesetz keinen Sinn. Wieso sollte man dann für einen Ausgleich sorgen, wenn man nicht aus freiem Willen etwas verursacht hat? Willensfreiheit negieren bedeutet für mich die Verantwortung für die eigenen Taten oder Nichttaten abgeben zu wollen. An wen eigentlich? Wer ist dann für unser Tun und Denken verantwortlich, wenn nicht wir selbst? Das Universum? Dämonen, Engel oder der liebe Gott? Nein. Einzig und allein wir selbst. Wir können beeinflusst sein (das ist der Mensch sowieso ständig), Impulse zu einem bestimmten Gedanken können aus verschiedenen Quellen kommen, aber wir selbst entscheiden, ob wir einer Beeinflussung oder einem Impuls standhalten und ihn abweisen oder ihr bzw. ihm nachgeben werden. In beiden Fällen liegt die Verantwortung und der freie Wille zu entscheiden bei uns.

 

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