Begegnung mit dem Todesengel

…Sie meinten, es bestünde keine Hoffnung mehr zu einer Heilung. Alles in Leonie sträubte sich dagegen das anzunehmen.

Trotz des widerlichen Geruches des Todes, schloss sie die Augen und ging in Versenkung. Ihr Bewusstseinszustand veränderte sich. Ob das eine Art der Meditation war, oder etwas völlig anderes, war ihr vollkommen egal. Sie fühlte sich leer. Ohne Gedanken und ohne Gefühle. Nichts regte sich in ihr. Ein komischer Zustand, den sie noch nie erlebt hatte. Sie führte seine Entstehung auf die ihr entzogene Hoffnung vonseiten des Arztes, mit dem sie sprach, bevor sie Willys Zimmer betreten hatte. Nimmt man jemandem die Hoffnung, hat man ihm alles genommen, wofür es sich zu leben lohnt. Und doch hat man ihm nicht genug genommen, dass er danach sterben könnte. So saß sie da, innerlich tot, erstarrt in der Leere ihres Wesens.

Irgendwann spürte sie, dass sich etwas verändert hatte. Ein lieblicher Duft erfüllte den Raum. Es musste sein, dass sie ihre Augen doch, ohne dessen bewusst zu sein, geöffnet hatte.

Sie erblickte einen jungen Mann, der am Fuß von Willys Bett stand. Er hatte eine weiße Robe an. Oder war das nur ein weißer Umhang? Ein Gewand? Das konnte Leonie nicht genau erkennen, denn es veränderte ständig seine Form. Fast dachte sie, dass das von ihren Vorstellungen abhängig ist, und doch war dem nicht so. Sein Gesicht war weich und lieb und strahlte die unermessliche Liebe aus, als ob sich Gott in ihm selbst getroffen und gefunden hatte. Er war kein Arzt aus dem Krankenhaus, niemand, den sie je gesehen hatte. Aus ihm heraus breitete sich dieser milde, schöne Duft aus, wie auch das helle, leuchtende Licht. Er war nicht von dieser Welt, das wusste Leonie und dieses Wissen ließ keinen Zweifel aufkommen.

„Wer bist Du?“ fragte Leonie, ohne ihren Mund aufzumachen. Stumm schickte sie diese Frage an das Wesen.

„Ich bin der, denn du nicht sehen willst, den du hier nicht haben willst.“

Leonie schaute ihn verständnislos an. Noch immer hatte sie nicht begriffen, wen sie vor sich hatte.

„Ich bin der, vor dem sich die Menschen am meistens fürchten. Aber auch der, nach dem sie sich manchmal sehnen.“

„Du bist nicht etwa…?“ Sie ließ es nicht zu, dass ihr Gedankengang beendet wurde.

„Nein! Das bist du nicht! Du hast keinen schwarzen Umhang, kein schwarzes Kleid, bist kein Gerippe und hast keine Sense! Du riechst so lieblich und ich rieche ihn, den Schwarzen, doch. Ich weiß, wie er riecht. Er riecht nach Verwesung. Nein! Das bist du nicht!“ Trotzig und entschieden dachte Leonie diese Worte, immer noch ihre Lippen nicht um einen Millimeter  bewegend.

Der Engel schaute sie mitfühlend und liebevoll an. Leonie fühlte sich umhüllt von dieser Liebe, die alle ihre Sorgen und Kummer absorbiert. Das Mitgefühl, das aus ihm herausströmte und sie erreichte, drohte sie auseinander zu bringen, sie in die kleinsten Teilchen zu zersetzen und jedes Teilchen an sich unendlich zu trösten, zu lieben. Das Gefühl war überwältigend und die Tränen schossen in ihre Augen und drohten mit aller Wucht auszubrechen.

„Doch, das bin ich. Und was das Kleid betrifft, die Menschen haben mir ein schwarzes Kleid gegeben, weil das zu ihren Vorstellungen von mir passt. Etwas Bedrohliches ist für euch Menschen schwarz, und die meisten von euch haben doch Angst vor mir. Und was den Geruch angeht, jetzt riechst du mich wirklich. Alles andere ist der Geruch, der aus dem Körper, den die Lebenskraft langsam verlässt, ausströmt. Es ist der Körpergeruch, nicht der Todesgeruch. Oder auf eine Weise doch, aber ich selbst rieche anders. Das merkst du. Die Menschen fühlen sich von mir bedroht. Siehst du, auch du scheust dich, mich mit dem Namen zu nennen. Der Engel des Todes, das bin ich.“

„Aber, warum stellen sich die Menschen Dich anders vor? Haben sie dich denn nie so gesehen wie du bist?“

„Die Menschen fürchten sich des Todes. Sie haben Angst um sich, die Angst vor dem Unbekannten. Meistens denken sie wenn ich komme hört alles auf. Aber ich nehme sie in ein anderes Leben mit.“

„Ich habe keine Angst vor dir. Nimm mich mit. Ich würde bereitwillig mit dir gehen und mich in deiner Liebe auflösen.“

Der Engel des Todes schaute sie traurig an und schüttelte mit dem Kopf.

„Nein, Leonie. Ich bin nicht hier um dich mitzunehmen. Ich warte auf Willy. Ihn möchte ich in Empfang nehmen und nach Hause führen, sobald er soweit ist.“

„Aber fragst du dich nicht, wie soll ich hier ohne Willy leben? Ist dir egal, was aus mir danach wird?“

Der Engel schaute sie nur an und schwieg. Er ließ zu, dass sie ihren Groll und ihre Angst herausschrie, und wenn es nur gedanklich war. Auf einmal fühlte Leonie, wie das, was sie dachte, selbstsüchtig und egoistisch war, und doch wollte sie nicht nachgeben, sondern dachte:

„Außerdem muss es immer nach deinem Willen gehen?“

„Leonie, es geht nicht nach meinem Willen. Die Seele entscheidet, diese Realität zu verlassen, und dann bin ich hier, um sie aufzufangen und sie zu führen oder sie zu begleiten.“

„Aha! Die Seele also! Gut, dann werde ich mit der Seele sprechen und du, du gehst solange fort.“

„So geht es nicht, Leonie…“

„Hör, bitte auf! Warum sprechen die Märchen darüber, wie man den Tod überlistet hat oder wie man mit dem Tod verhandelt und ein Übereinkommen getroffen hat, wenn das nicht möglich wäre? Die Märchen erzählen doch das Wahre, oder?“

„Leonie, das sind doch Märchen…“

„Nein!“ Leonie unterbrach ihn.

„Gut Leonie. Dann denke bitte an das Märchen, in dem die Frau den Tod an den Pflaumenbaum gewünscht hat. Kennst du dieses Märchen?“ Seine Stimme war nicht im Geringsten verärgert. Im Gegenteil, sie klang sanft und geduldig, als ob er zu einem kleinen, trotzigen Kind sprach.

„Ja, ich kenne es“, dachte sie beschämt und kleinlaut.

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Ein Auszug aus dem Buch „Todesengel und Leonie Lilienthal“. Kann man den Todesengel kontaktieren mit der Bitte den Zeitpunkt des Todes zu verzögern? Was wäre seine Antwort? Den empfehlenswerten, gerade erschienenen spirituellen Roman „Der Todesengel und Leonie Lilienthal“ können Sie hier bestellen: http://shop.blom-medien.de/product_info.php?products_id=71

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