Auf die Sichtweise kommt es an

Vor ein paar Tagen sprach ich mit meiner Freundin. Wir haben uns lange nicht gesehen und nicht miteinander gesprochen, und so gab es ganz viel zu erzählen. Ich wusste, dass sie und ihr Ehemann ihr Haus verkaufen und ins Betreute Wohnen umziehen wollten, da sie beide schon über siebzig waren. Sie haben ihre ganzen Ersparnisse in den Bau dieser Gebäude investiert und etwa zu dieser Zeit sollten sie dort schon einziehen. Auf meine Frage wann der Umzug stattfindet und ob sie das Haus schon verkauft haben, bekam ich eine wirklich traurige Geschichte zu hören.
Die Baufirma hat Insolvenz angemeldet und das ganze Geld meiner Freundin ging verloren. Das hat sie sehr getroffen, sogar so sehr, dass sie kurz vor dem Nervenzusammenbruch war. Dann geschah der zweite Schlag, der sie genau so sehr getroffen hat, aber statt sie ganz zu zermalmen, hat er sie zurück ins Gleichgewicht versetzt. Zugegeben es konnte auch anders passieren, aber dieser Schlag hat ihr geholfen einen anderen Standpunkt zu beziehen und ihr Problem von einer anderen Seite zu sehen.
Der Ehemann ihrer Tochter, die 41 Jahre alt ist, ist plötzlich, im Alter von 43 Jahren, an Herzversagen gestorben, obwohl er bis dahin vollkommen gesund war. Die junge Frau ist alleine mit drei kleinen Kindern geblieben und muss aus dem gemeinsamen Haus ausziehen, da sie den Kredit für das Haus nicht mehr abzahlen kann. Außerdem, da sie nicht berufstätig war, sondern sich um die Kinder kümmerte, hat sie auch kein Geld für den Lebensunterhalt. Die ganze Situation hat sie so sehr getroffen, dass sie fast keine Kraft mehr hatte, um weiter zu leben. Sie suchte ärztliche Hilfe auf und musste eine Zeit in einer Psychiatrischen Klinik verbringen.

Götter

Nun zurück zu meiner Freundin. Als ihre Tochter in der Klink war, nahm sie die Kinder zu sich und kümmerte sich liebevoll um ihre Enkel. Statt weiter nach dem verlorenen Geld zu trauern, wurde sie dankbar, dass sie ihr Haus noch nicht verkauft haben, dass es den beiden (ihr und ihrem Mann) gesundheitlich gut geht und sie erkannte, dass es viel größere Verluste geben kann als „nur“ die Ersparnisse zu verlieren.
Sie selbst sagte zu mir: „Eigentlich sollte ich sofort daran denken, dass es viel Schlimmeres gibt und das Geld nicht alles ist was im Leben zählt, bevor ich das auf diese Weise vor die Augen geführt bekommen musste, um nicht wegen des Geldes zu verzweifeln. Jetzt kann ich meiner Tochter zur Seite stehen, versuchen sie zu trösten und ihr, überall wo ich kann, unter die Arme greifen.“
Ja, das sollen wir alle: bevor wir uns einem „Schicksalsschlag“ ganz überlassen und unsere Aufmerksamkeit nur auf das Schlechte lenken, sollen wir versuchen unsere Sichtweise zu ändern und anschauen was uns an Gutem geblieben ist. Dafür sollen wir dann aus ganzem Herzen dankbar sein.

 

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